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    Gymnastik gegen Reizblase – Beckenboden-Therapie hilft bei Harninkontinenz

    Bochum, 16. Dezember 2008. Haben Sie oft einen unaufschiebbaren Harndrang? Müssen Sie nachts ständig raus? Dann leiden Sie wahrscheinlich an einer Reizblase, meist eine sogenannte Dranginkontinenz. Rund vier Millionen Deutsche leiden an einer Form der Harninkontinenz, in der Regel ältere Menschen.[1] Die Reizblase kommt jedoch in jeder Altersgruppe vor und tritt häufig in bestimmten Situationen auf, z. B. bei seelischer Belastung. „Die meisten Inkontinenz-Beschwerden hängen mit einer Fehlfunktion der Beckenbodenmuskulatur zusammen“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V. Die Muskeln des Beckenbodens sollen die Blase in Position halten und für eine einwandfreie Blasenfunktion sorgen. Ist die Beckenbodenmuskulatur geschwächt oder verspannt, kann eine spezielle, therapeutische Gymnastik dies regulieren und so einen unwillkürlichen Harnverlust verhindern.

    Da der Beckenboden nur selten bewusst aktiviert wird, nehmen viele Menschen diesen Muskelbereich kaum wahr. Von Dranginkontinenz Betroffene müssen daher lernen, diese Muskeln zu fühlen und gezielt einzusetzen. Häufig müssen Patienten auch lernen, mit dem Druck in der Blase umzugehen und die Blasenkapazität zu erhöhen. Durch eine Therapie kann der Harndrang dann besser kontrolliert und ein unbeabsichtigter Urinverlust vermieden werden. „In der Physiotherapie wird ein spezielles Training meist mit Wahrnehmungsschulungen verbunden“, so Ute Repschläger. „Patienten erhalten zudem Tipps, die sie in belastenden Alltagssituationen anwenden können, z. B. ein imaginäres Bonbon lutschen.“ Studien[2] zeigen, dass viele Betroffene den Beckenboden verkehrt und damit wirkungslos üben. So spannt jede zweite Frau beim Beckenbodentraining die falschen

    [1] Springer Medizin Verlag, Urologe 2007
    [2] www.ag-beckenboden.de (im Deutschen Grünen Kreuz e. V.) 15/08

    Muskeln an, meist die Gesäßmuskeln. Das Mitanspannen von Po- oder Bauchmuskeln sollte bei Beckenbodenübungen aber möglichst vermieden werden. Daher ist eine praktische Anleitung der Übungen beim Physiotherapeuten zu empfehlen. Praktische Übungstipps Wichtig ist hier die richtige Atmung. Bei der Anspannung ausatmen, wenn der Beckenboden entspannt wieder einatmen.

    • Wahrnehmungsübung: „Warmer Bauch“ - Auf den Bauch legen und die Beine im Knie beugen. Die Unterschenkel kreuzen sich und gehen wieder auseinander, so dass sich die Oberschenkel im Hüftgelenk drehen.
    • Entspannungsübung: Einen Tennisball auf einen Hocker legen und sich auf ihn setzen, so dass er zwischen den Sitzbeinhöckern liegt. Möglichst eine Minute warten, bis der Beckenboden entspannt ist.
    • Anspannungsübung: Auf den Rücken legen und die Muskeln des Beckenbodens nach oben und innen anspannen. (Stellen Sie sich vor, ein Aufzug fährt in ihrem Körper hoch.) Etwa acht Sekunden halten und wieder lösen.

    Die Entscheidung für die individuell richtige Beckenboden-Therapie trifft der Physiotherapeut nach einer Beckenbodenfunktionsprüfung.

    Weitere Informationen:

    Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten - IFK e. V., Lise-Meitner-Allee 2, 44801 Bochum, Insa Brockmann, Telefon 0234 97745-40, Telefax 0234 97745-540, E-Mail: brockmann@ifk.de

    www.ifk.de

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