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    Telemedizinisches Netz garantiert optimale Versorgung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern in Nordbayern

    Erlangen einer von zwei Standorten in Bayern, an dem angeborene Herzfehler behandelt werden können – Neu gegründetes Netzwerk aller Kliniken und Fachärzte in Nordbayern optimiert Versorgung – Telemedizin stellt Zugriff auf identische Daten sicher – Lückenlose Versorgung auf höchstem Niveau – Kürzere Krankenhausaufenthalte und kürzere Wege für kleine Patienten

    ERLANGEN – 6.000 Kinder kommen in Deutschland jedes Jahr mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt, ein großer Teil davon muss medizinisch behandelt werden. Für die jungen Patienten und ihre Familie ist die Diagnose eine große Belastung. Oft müssen die Betroffenen ein Leben lang medizinisch betreut werden. Am Universitätsklinikum Erlangen hat die Versorgung herzkranker Kinder eine lange Tradition. Alle angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen des Kindesalters können hier behandelt werden. Diese Spezialbehandlung bieten in Bayern neben dem Uniklinikum Erlangen nur noch Kliniken in München. Jährlich werden in der Kinderherzchirurgischen und der Kinderkardiologischen Abteilung in Erlangen rund 300 Herzoperationen und 250 Herzkathetereingriffe vorgenommen.
    Um die Versorgung der Patienten weiter zu verbessern, wurden Prof. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung, und Prof. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen, aktiv. Sie initiierten im Mai die Gründung des Universitären Kompetenznetzes für angeborene Herzfehler in Nordbayern – ambulante und stationäre Behandlung. Erstmals haben sich dort alle niedergelassenen Fachärzte und alle Kliniken in Nordbayern in einem Netzwerk zusammengeschlossen. So entsteht eine lückenlose Versorgungskette auf höchstem medizinischen Niveau: Von den Kinderkliniken, die die Erstdiagnostik und Erstversorgung der Neugeborenen leisten, über die niedergelassenen Fachärzte für Kinderkardiologie (Diagnostik und chronische ambulante Versorgung) bis zum spezialisierten Herzzentrum in Erlangen.

    Alle Beteiligten haben Zugriff auf identische Patientendaten
    Basis dieser engen Zusammenarbeit ist ein telemedizinisches Netzwerk, über das alle Beteiligten Zugriff auf eine digitale Patientenakte und damit auf identische Informationen haben. Nach einer Startphase wurde das Telemedizinische Netz nun flächendeckend in Betrieb genommen und im Beisein von Melanie Huml, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, und Vertretern aus dem Netzwerk erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Für die Gesundheitsregion Franken ist das, was Sie hier machen, ein echter Quantensprung“, so die Staatssekretärin bei der Präsentation.
    Über das neu eingerichtete telemedizinische Netz sind alle Befunde inklusive komplexer Bilddaten wie OP-Bilder oder bewegte Herzultraschallbilder von den teilnehmenden Ärzten und Kliniken auf verschlüsselten Datennetzen per Telemedizin abrufbar – direkt in der Praxis oder der Klinik. „Zum einen ist dieses Verfahren deutlich schneller als das Verschicken eines Arztbriefes, zum anderen haben auf diese Weise alle Beteiligten Zugriff auf identische Daten. Näher am Originalbefund geht es nicht“, erläutert Prof. Dittrich. Auch im Notfall kann so jederzeit auf die Daten zugegriffen werden – selbst von Kliniken, die nicht im Netzwerk organisiert sind. Durch den direkten Informationsaustausch
    werden außerdem unnötige Untersuchungen verhindert und sichergestellt, dass alle Daten zum Befund komplett vorliegen. Staatssekretärin Melanie Huml betonte, wie wichtig gerade in Bayern ein solches Netzwerk ist: „Gerade in einem Flächenstaat ist entscheidend, dass Spezialwissen nicht nur in den großen Zentren, sondern überall verfügbar ist.“ Dem schlossen sich auch die Vertreter der niedergelassenen Ärzte und Kliniken an: „Netzwerke werden vor allem in der Kinderheilkunde in Zukunft immer wichtiger. Es ist einfach nicht möglich überall Spezialisten zu haben, vor allem in den Randbezirken“, so Prof. Dr. Thomas Rupprecht, Chefarzt der Kinderklinik am Klinikum Bayreuth. Netzwerke wie das Erlanger Kompetenznetz machen dieses Spezialwissen per Telemedizin überall verfügbar.

    Operation durch Spezialisten, Nachsorge vor Ort
    „Unsere niedergelassenen Kollegen können so nicht nur viele vorbereitenden Untersuchungen, sondern auch die Behandlung der kleinen Patienten nach der Entlassung lückenlos und bestens informiert übernehmen“, so Prof. Cesnjevar. „Wenn Kinder betroffen sind, behandeln wir eigentlich immer die ganze Familie. Und zu Hause erholen sich natürlich alle am besten. Deswegen ist es unser Ziel, die Patienten möglichst früh nach Hause zu entlassen.“ Durch das Kompetenznetz lässt sich dieses Ziel leichter erreichen. Im Durchschnitt verlassen die Kinder heute nach sechs Tagen das Uniklinikum. Die enge Zusammenarbeit mit den betreuenden Kinderkardiologen in der Praxis oder in der Heimatklinik garantiert eine optimale Nachsorge, die neben der Operation entscheidend dafür ist, ob die Kinder dauerhaft gesund leben können.
    Viele Familien, die einen weiten Weg bis nach Erlangen auf sich nehmen müssen, sparen sich durch das Netzwerk zusätzliche Termine in der Uniklinik. Auf diesen Aspekt wies auch Melanie Huml hin: „Es ist immer besser, wenn die Daten ‚wandern’, statt dass die Patienten lange Wege auf sich nehmen müssen – vor allem wenn Kinder betroffen sind.“ Außerdem können sich diese so auch weiterhin an den bereits vertrauten Arzt direkt vor Ort wenden. Dies macht die Behandlung nicht nur für die kleinen Patienten deutlich angenehmer, sondern spart auch Kosten. „Durch die Aufgabenteilung zwischen Uniklinik, regionalen Kliniken und niedergelassenen Fachärzten kann sich außerdem jeder auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Wir zum Beispiel gewinnen weiteren Spielraum für unser Spezialwissen bei der Behandlung angeborener Herzfehler“, erklärt Prof. Dittrich. Und von diesen Kompetenzen profitieren alle Beteiligten des Netzes: Die erste gemeinsame Weiterbildung zur modernen Behandlung von angeborenen Herzfehlern mit Katheterschirmen hat bereits stattgefunden. Weitere Fortbildungen zu Behandlungsstandards auch seltenerer Herzerkrankungen sollen folgen.

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